Samstag, 4. September

Antrag abgelehnt

MDK | Beratung und Begutachtung

von Johanna Weiß

Ärzte und Patienten haben einen gemeinsamen Feind – den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, kurz MDK. Nun ja, Feind ist vielleicht ein sehr hartes Wort, aber sehr beliebt ist der MDK nun wirklich nicht. So ziemlich jeder Arzt hatte schon einmal Kontakt mit ihm und vielleicht nicht immer die besten Erinnerungen daran.

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Kai Pilger | unsplash.com

Der MDK ist ein Beratungs- und Begutachtungsdienst für die gesetzlichen Krankenkassen und Pflegekassen. Die dort tätigen Mitarbeiter prüfen Fragen zur Arbeitsunfähigkeit, Rehabilitationsmaßnahmen, Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln, Pflegebedürftigkeit und vielem anderem. Nicht immer ist jede Verordnung sinnvoll oder jede Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gerechtfertigt. Dann teilt der MDK dies der anfragenden Institution mit und die angefragte Leistung wird abgelehnt. Manchmal fragt man sich aber wirklich, wer dort diese Entscheidungen trifft.

Neulich bekamen wir eine Anfrage wegen einer Patientin. Diese hatte aufgrund eines Aneurysmas im Gehirn eine Hirnblutung. Sie musste neurochirurgisch behandelt werden und bekam dann anschließend eine Rehabilitation. Da diese Patientin selbst in der Pflege arbeitet, hat sie einen Beruf, bei dem sie oft schwer heben muss, konnte sie nicht sofort wieder voll eingesetzt. Aufgrund der Empfehlung im Rehabericht entschieden wir uns für eine Weiterführung der Krankschreibung und eine anschließende Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell. Das sah der Sachbearbeiter des MDK anders. Es kam eine Anfrage, warum die Patientin nicht sofort nach der Reha wieder arbeiten ging. Wir reichten ‘zig Befunde und Gutachten ein, die belegten, dass die Patientin noch nicht voll arbeitsfähig war. Das interessierte jedoch den Mitarbeiter des MDK nicht. Erst im dritten Anlauf wurde dann dem Antrag auf Wiedereingliederung stattgegeben.

Ein weiterer Patient von uns ist seit einem Autounfall vor einem Jahr vom Hals abwärts gelähmt. Um ihm zumindest ein wenig Eigenständigkeit zurückzugeben, stellten wir ein Rezept für einen speziellen Rollstuhl aus. Kurze Zeit später erhielten wir vom MDK eine Anfrage, warum wir diesem Patienten nicht einen ganz normalen Rollstuhl verordnet hätten. Mein Chef schickte daraufhin einen Brief an den MDK. Er schlug vor, dass doch einer der Mitarbeiter dem Patienten im Heim einmal einen Besuch abstatten könnte und ihn dann in alle möglichen Rollstühle setzen sollte, um auszutesten, welcher denn am besten geeignet wäre. Kurioserweise erhielten wir eine Woche nach Versand des Briefes eine anstandslose Genehmigung für den Rollstuhl, den wir vorgeschlagen hatten.

Aber nicht nur Ärzte müssen sich hin und wieder mit dem MDK auseinandersetzen. Es ist erstaunlich, welche Wirkung allein die Ankündigung eines Besuches des MDKs bei Patienten und ihren Angehörigen erzielt. Erst vor ein paar Tagen rief mich der Sohn eines Patienten ganz aufgeregt an. Sein Vater bekäme demnächst Besuch vom MDK. Es gehe um die Einstufung in eine Pflegestufe. Er hatte Angst, dass die Lage, in der sich der Patient befand, nicht ausreichend erkannt würde. Schließlich hat man das von anderen Leuten und auch in den Medien oft genug gehört.

Der Sohn betreute seinen Vater schon seit mehreren Jahren. Doch der Zustand seines Vaters hat sich mit der Zeit so verschlechtert, dass er ihn einfach nicht mehr ausreichend betreuen kann, ohne dabei seinen Beruf aufzugeben. Nun hat er natürlich Angst, dass der Vater nicht die entsprechende Pflegestufe bekommt. Wir verfassten ein Schreiben mit sämtlichen Diagnosen und Befunden des Patienten, in der Hoffnung, dass dies eine positive Entscheidung des MDK herbeiführen wird. Der Besuch steht übrigens noch aus und wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Ich habe noch viel mehr solcher Geschichten erlebt. Da kann ich es verstehen, dass die Meinungen über den MDK und seine Mitarbeiter nicht sehr gut sind. Oft bekommt man dann zu hören „Das sind doch alles nur Schreibtischhengste, die keine Ahnung haben, wie das in der Realität läuft.“. Ich kann dem leider nicht viel entgegen setzen, denn auch ich hatte diese Gedanken schon. Ich kann mir vorstellen, dass diese Arbeit auch nicht immer leicht ist. Schließlich muss man auch in der Lage sein, eine gewisse professionelle Distanz zu waren. Im Gegensatz zum Arzt oder Angehörigen, hat ein MDK-Mitarbeiter nicht nur mit einzelnen Schicksalen zu tun, sondern muss über viele Fälle entscheiden. Da dürfen natürlich keine persönlichen Gefühle mit einfließen.

Trotzdem denke ich, dass man einige Kontroversen vermeiden könnte, wenn eine bessere Kommunikation untereinander stattfinden würde. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich ein Sachbearbeiter vielleicht besser in bestimmte Situationen hineinversetzen könnte, wenn er vorher einige Zeit im Krankenhaus oder Pflegeheim gearbeitet hat. Aber das kostet natürlich Zeit und Geld. Und das hat auch der MDK nicht.

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