Dienstag, 8. Juni

Das liebe Geld

Studium finanzieren

von Johanna Weiß

Als Arzt verdient man nicht schlecht. Das ist auch kein Geheimnis. Man wird zwar dadurch kein Millionär, aber ich denke, wir brauchen uns nicht beklagen und können uns viele Dinge leisten und einige Wünsche erfüllen. Doch wie sieht es während des Studiums aus und welche Möglichkeiten hat man, um es zu finanzieren?

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Lilzidesigns | unsplash.com

Vor einiger Zeit haben wir auf unserer Facebook-Seite eine Umfrage gemacht. Wir wollten wissen, wie Ärzte und Medizinstudenten ihr Studium finanziert haben bzw. finanzieren.

Die Ergebnisse finde ich sehr interessant. Fast die Hälfte der Teilnehmer gab an, von den Eltern unterstützt worden zu sein bzw. unterstützt zu werden. Über ein Viertel der Teilnehmer hat die Finanzierung des Medizinstudiums sogar in die eigene Hand genommen. Erst dann folgen Bafög und Studienkredit.

Was mich daran so überrascht, ist die Tatsache, dass ich es aus meinem eigenen Umfeld eher kenne, dass die Studenten Bafög beziehen. Der Ein oder Andere macht vielleicht noch einen Nebenjob, aber viele haben freie Bahn für ihr Studium.

Ich selbst habe zwei Nebenjobs. Das ist ganz schön anstrengend und zeitaufwändig. Oft bleibt das Studium auf der Strecke, weil nicht genug Zeit zum Lernen da ist. Ich habe liebe Eltern, die mich unterstützen, wo sie können. Sie können aber nicht alles finanzieren und ich will ihnen ja auch nicht ewig auf der Tasche liegen. Also hab ich meine Möglichkeiten ausgelotet, damit ich meine Eltern und mich entlasten kann.

Für ein Stipendium bin ich ehrlich gesagt zu durchschnittlich. Also fiel das schonmal aus. Als nächstes wandte ich mich an das Bafög-Amt. Ja, da bekam ich ganz tolle Dinge zu hören. Ich wäre zu alt und hätte nicht genug in meinem Beruf gearbeitet, um elternunabhängiges Bafög zu erhalten.  Außerdem wäre ich ja schon viel zu weit im Studium fortgeschritten. Nach vielen langen Gesprächen mit der super netten und gar nicht genervten Mitarbeiterin des Bafög-Amtes gab ich es schließlich auf

Tja, was für Möglichkeiten gab es dann noch? Ein Studienkredit. Gesagt, getan. Ich suchte mir alle möglichen Banken, die einen solchen Kredit anboten und begann zu telefonieren, E-Mails zu schreiben und Termine zu machen. Auch hier lautete die einhellige Meinung, dass ich zu weit im Studium voran geschritten wäre, um einen Kredit zu beantragen. Eine reizende Bankmitarbeiterin ließ mich sogar ein Motivationsschreiben verfassen, um mir dann zwei Tage später dieselbe Antwort zu geben.

Also entschied ich mich weiter zu arbeiten. Prinzipiell ist das keine schlechte Sache. Ich habe viel gesehen und gelernt und ich bin weitestgehend unabhängig. Aber das hat natürlich seinen Preis. Ich kann nicht jede Vorlesung besuchen und muss auch hier und da eine Veranstaltung verschieben. Wenn ich aber ehrlich bin, finde ich es gut so, wie es ist. Am Ende des Studiums beginne ich meinen Arbeitsalltag ohne Schulden. Wo andere erst beginnen, ihr Bafög und ihre Studienkredite abzuzahlen, habe ich mein Gehalt komplett zur Verfügung. Dafür muss ich in Kauf nehmen, dass das Studium hier und da darunter leidet und ich vielleicht sogar mal eine Ehrenrunde drehen muss.

Letztendlich ist es sehr sinnvoll, sich rechtzeitig zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt. Jeder hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen, was ihm während des Studiums wichtig ist. Aber wenn man weiß, was man will, wird man auch die richtige Lösung für sich finden und kann das Studium gut meistern.

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