Sonntag, 11. April

Kann keiner mehr hören

Arztsprüche

von Bettina-Isabelle Müller

Es gibt sie, diese Sprüche von Ärzten, die leider manchmal unpassend sind. Wir haben die Top 10 dieser heiklen Sätze zusammengestellt.

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Gemma Evans | unsplash.com

„Der alte Arzt spricht Lateinisch, der junge Arzt Englisch. Der gute Arzt spricht die Sprache des Patienten“. Was die frühere Bundesministerin für Familie und Gesundheit, Ursula Lehr, bereits in den Neunziger Jahren erkannte, ist leider auch heute scheinbar noch oft ein großes Manko. Viele Ärzte tun sich offenbar schwer damit, mit dem nötigen Feingefühl auf ihre Patienten einzugehen. Schnelle oder auch unwirsche Abfertigungen sind immer häufiger an der streng durchgetakteten Tagesordnung in Arztpraxen, und auf der Strecke bleibt dabei das sichere Gefühl des Patienten, einfach „gut aufgehoben“ zu sein.

Hier sind sie, die Top 10 der Arztsprüche, die wir eigentlich nicht mehr hören wollen.

Ich bin sofort wieder da

Lange hat man im Wartezimmer ausgeharrt, sich durch sämtliche eselsohrige Zeitschriften gekämpft und ist nun endlich an der Reihe und darf im Besprechungsraum Platz nehmen. Und was tut der Arzt nach einem knappen „Was kann ich denn für Sie tun“? Er hört sich kurz an, worum es geht… und verschwindet erst mal mit den Worten „Ich bin gleich wieder da“. Was ist hier passiert? Man weiß es nicht! Oft kommt er mit einem Probepäckchen Tabletten unter dem Arm wieder zurück und man fühlt sich bei der Aufforderung „Versuchen Sie’s mal damit“ wie ein willkürlich ausgesuchtes Versuchskaninchen. Time is money, ja, das wissen wir! Aber immerhin ist Zeit auch das Größte, was man gerade einem kranken Menschen schenken kann.

Das kann jetzt etwas unangenehm werden

Nicht gerade ein ermutigender Satz für Hypochondriker, Phobiker und alle Menschen im Allgemeinen, die nicht gern leiden. Denn der aufmerksame Zuhörer spürt sofort, selbst wenn er vorher noch gar nichts Böses erwartet hatte: „Hier kommen Schmerzen auf mich zu!“ Diese kurz in den Raum geworfene Warnung führt nicht selten dazu, dass plötzlich Angstschweiß und Panik auftritt, und man bei der nun folgenden Behandlung schlichtweg überreagiert und spitze Schreie ausstößt. Nett gemeint, aber leider erfüllt diese Prophylaxe in psychologischer Hinsicht oft einfach nicht den gewünschten Zweck, den Patienten zu beruhigen.

Machen Sie Sport

Eine peinliche Frage, die sich direkt an den inneren Schweinehund richtet, der sich so gemütlich auf der häuslichen Couch eingerichtet hat. Automatisch gerät man in Erklärungsnöte, schiebt den Alltagsstress vor, der einem einfach keine Zeit für sportliche Betätigungen lässt, den schmerzenden Rücken, der einem jede kleinste Bewegung leider zur Qual macht. Und man denkt insgeheim an die vielen Stunden, die man mit Chipstüte und Schokolade gänzlich untätig vor dem Fernseher abgesessen hat. Natürlich vereinbart man jetzt übereifrig mit dem Arzt eine komplette Lebensumstellung inklusive morgendlichen Joggingrunden im Stadtpark… Und wechselt nicht selten die Praxis, damit man sich das eigene Unvermögen nicht mehr vor wissenden Augen eingestehen muss.

Haben Sie Übergewicht

Diese Frage ist leider sehr unsensibel. Wer tatsächlich ein paar Pfunde zuviel auf die Waage bringt, sendet eindeutige Signale aus, so dass sich diese erniedrigende Frage schlichtweg erübrigt. Also, was hilft hier noch der mahnende Zeigefinger? Etwas taktvoller wäre es doch, den Patienten fachkundig über eine gesunde, kalorienarme und trotzdem vollwertige Ernährung aufzuklären. Diesen Zusatz, der nichts anderes bedeutet als „Schauen Sie mal, wie fett Sie eigentlich sind“, kann sich jeder Arzt also eigentlich sparen.

Haben sie in letzter Zeit viel Stress

Ja, es gibt sie, die psychosomatischen Erkrankungen und leider nehmen stressbedingte körperliche Symptome immer mehr zu. Aber nicht jeder Magenschmerz verrät, dass einem da etwas „auf den Magen geschlagen ist“. Immerhin sitzt man hier vor einem Mediziner und nicht auf der Psycho-Couch und möchte daher auch mit seinen Beschwerden ernst genommen werden. Unglücklicherweise lässt sich nahezu jedes Symptom von den Schluckbeschwerden („Was möchten Sie denn in ihrem Leben nicht schlucken“) bis hin zur verstopften Nase („Wovon haben Sie eigentlich die Nase voll“) auch psychologisch deuten. Oft stecken aber eben doch nur eine ganz banale Grippe oder andere körperliche Krankheiten dahinter.

Das tut auch gar nicht weh

Hört sich ein wenig so an wie „Selbst, wenn es schmerzt, stellen Sie sich jetzt bloß nicht an.“ Also beißt man die Zähne zusammen, denn man wurde ja hinlänglich vorgewarnt. Also kann die Spritze jetzt gar nicht weh tun, und man will natürlich auch kein Weichei sein. Hier ruft der Arzt ganz unverhohlen zu mehr Tapferkeit auf, denn jammernde und heulende Patienten können wirklich anstrengend sein. Verständlich, aber manchmal ist ein wenig Schluchzerei auf dem Arztstuhl einfach ungemein erleichternd.

Am besten warten wir erst mal ab

Na gut, warten wie ab. Wie lange und worauf wissen wir allerdings oft nicht genau. Die Wartezeit darf man immerhin überbrücken mit „viel Wasser trinken“, etwas Frischluft oder auch Bettruhe und natürlich mit Medikamenten. Frustration ist hier inklusive, denn niemand verharrt gern in der Warteschleife. Oft gehört zum Genesungsprozess natürlich eine gewisse Zeit, aber hinter diesem Satz kann sich auch schlichtweg die Unsicherheit des Arztes verbergen. Nach dem Motto „Abwarten und Tee trinken“ wird der Patient dann erst mal ruhig gestellt, denn viele Beschwerden erledigen sich nach ein paar Ruhetagen ja oft wieder ganz von selbst.

Das hätte aber helfen müssen

Hätte… vielleicht, hat es aber leider nicht. Also war vielleicht die Diagnose falsch? Oder auch die Behandlung? Versagt eine Therapie, sind Ärzte nicht selten am Ende ihres Lateins, erwägen entweder einen Medikamentenwechsel oder direkt die Überweisung zum Facharzt. Hier fühlt der Patient sich schlichtweg nicht in kompetenten Händen, denn immerhin möchte man nicht wissen, was hätte helfen können, sondern was ganz konkret zu tun ist. Also, liebe Mediziner, etwas mehr Souveränität bitte!

Dafür bin ich nicht mehr zuständig

Ach so.. nicht? Gut zu wissen! Der Patient fühlt sich bei dieser Aussage schlichtweg „nicht gewollt“. Ist man denn wirklich so ein schwieriger Fall, oder kann der Arzt einen vielleicht einfach nur nicht leiden? Klar, die Überweisung zum Facharzt ist in vielen Fällen notwendig, denn einige Krankheitsbilder erforden auch eine spezielle Behandlung. Aber manchmal überkommt einen die Vermutung, dass es sich der Arzt hier möglicherweise etwas einfach machen möchte. Ist der Fall nicht sofort klar und eindeutig, sind die Symptome nicht stimmig, wird der Patient gern mal weitergereicht. Schade!

Das bezahlt die Kasse nicht

Das ist leider ein Totschlag-Argumente, welches jede weitere Diskussion im Keim erstickt. Und man hört es immer öfter, denn überall wird gespart. Also, warum auf teure Medikamente oder Zusatzbehandlungen setzten, wenn auch die günstigen Ableger zum Erfolg führen können? Leider steht hier das Wohl des Patienten nicht immer im Mittelpunkt. Und so wird oft so lange mit Spar-Methoden herumgedocktert, bis eben am Ende doch die teure Behandlung fällig wird. Eigentlich überflüssig, oder?

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