Donnerstag, 2. September

Marketing zählt

Ärzte:innen im Wettbewerb

Text und Interview von Gabriele Brähler

Viele Ärzte konzentrieren sich während ihrer Arbeitszeit am liebsten auf ihre Patienten. Mit eigener Praxis wird der niedergelassene Arzt aber auch zunehmend in seiner Rolle als Unternehmer gefordert. Praxismarketing wird immer wichtiger. Was gehört dazu?

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Online-Aktivitäten, die Organisation von Informationsveranstaltungen, Publikationen, Video-Porträts – dieses sind nur wenige Beispiele, wie Ärzte auf sich aufmerksam machen und Patienten erreichen können. Auch wer sein Wartezimmer gut gefüllt sieht, kann auf moderne Kommunikationsmaßnahmen nicht verzichten. Die Qual angesichts der großen Wahl ist oft groß. Hier einige Anregungen.

Zufriedene Patienten sind die wichtigsten Multiplikatoren

Ein Termin bei der Augenärztin oder dem Orthopäden steht an? Viele Menschen lassen sich Mediziner empfehlen. Deshalb fängt erfolgreiches Marketing in der eigenen Praxis an. Zufriedene Patienten haben dabei nicht nur die fachliche Qualifikation des Arztes im Blick. Eine gute Praxisorganisation trägt entscheidend dazu bei, ob ein Patient sich wohl fühlt. Wie lange muss trotz eines Termins gewartet werden? Macht die gesamte Praxis einen modernen, hellen und gepflegten Eindruck? Liegen im Wartezimmer Zeitschriften bereit? Ist das Praxispersonal aufmerksam und freundlich? Nimmt man sich Zeit für Fragen? Patienten, die sich rundum wohl fühlen, empfehlen eine Praxis sicher bei nächster Gelegenheit weiter.

Homepage – die Visitenkarte im Netz

Für eine Praxis, die sich zeitgemäß präsentieren möchte, ist eine eigene Homepage als Visitenkarte im Netz heute unverzichtbar. Welche Leistungen bietet der Arzt oder die Ärztin, mit welchen Verfahren wird gearbeitet, wie ist die Praxis erreichbar? Mit einem Klick erhält der Besucher die gewünschten Informationen.

Eine moderne und ästhetisch präsentierte Website vermittelt dem Besucher weit mehr als bloße Kommunikationsbereitschaft. Wer im Außenauftritt mit der Zeit geht, wird wahrscheinlich auch mit seinen Verfahren, seinem Wissen und seiner Organisation up to date sein. Gar keine Website oder eine Optik aus dem letzten Jahrzehnt und Monate alte News lassen vermuten, dass man eventuell auch fachlich eher weniger am Zeitgeschehen teilnimmt.

Eine Fotogalerie oder ein Praxisvideo auf der Homepage sind weitere interessante Möglichkeiten, das gesamte Team und modernes Equipment dem Patienten bei einem virtuellen Gang durch die Praxis zu präsentieren.

Die Internetpräsenz lässt sich ausbauen und die Kommunikation mit (potenziellen) Patienten online weiterführen – mit E-Mail-Benachrichtigungen über bevorstehende Termine oder das Angebot, per Mausklick Termine zu vereinbaren oder Rezepte zu bestellen.

Spezialisierte Agenturen helfen bei der Suchmaschinen-Optimierung, der so genannten SEO-Optimierung (Search Engine Optimization). Ziel ist, dass Patienten, die beispielsweise zum Stichwort Rückenschmerzen oder nach bestimmten Behandlungsverfahren googeln, auf die Praxis-Website verwiesen werden.

Regelmäßig aktualisiert kann auch ein eigener Blog zu Themen des eigenen Leistungsspektrums eine feste Kundschaft binden.

Empfehlungen – welche Erfahrungen haben andere gemacht

Von den Erfahrungen anderer profitieren – das ist einer der große Vorteile, die das Internet bietet. „Instrumente des Empfehlungsmarketings werden immer wichtiger“, weiß Bastian Liebsch, Geschäftsleitung Kundenmanagement der Dr. Becker Klinikgruppe. „Menschen trauen den Empfehlungen anderer Betroffener oftmals mehr als den von Fachleuten.

Praxisauftritt, der Vertrauen aufbaut

Oft wissen Patienten gar nicht, was ein Mediziner mit seinem Team alles anbietet. Spezialisierungen werden vielfach als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) vermarktet und wollen bekannt gemacht werden. Zum Beispiel auf der Website oder durch Flyer, die im Wartezimmer ausliegen. Hier empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten, die für einen einheitlichen Auftritt der Printmedien mit Logo und verwendeten Schriften und Farben achten. Dieses so genannte corporate design umfasst dabei auch die gesamte Praxis-Darstellung – angefangen von der gedruckten Visitenkarte, dem Briefpapier bis zu Terminblöcken.

Informationsmedien lassen die Zeit im Wartezimmer schneller vergehen. Dienstleister bieten komplette redaktionelle Programme zu einem bunten Themenspektrum und die benötigte Technik an. Hier lassen sich Beiträge zu IGeL-Leistungen oder Servicethemen der Praxis integrieren.

Gute Planung trägt zum Erfolg bei

Die Welt des Praxismarketings ist bunt. Wer sich im Dschungel der zahlreichen Medien und Kommunikationskanäle nicht verlieren möchte, kommt am besten mit erfahrenen Beratern nach vorn. Strategische Planung und ein klares Konzept helfen weiter. Ein systematischer Ausbau von einzelnen Aktivitäten ist dabei oft besser als überstürzter Aktionismus.

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