Dienstag, 8. Juni

Medizinische Hilfe für die Ärmsten

Hilfe in Not

von Dr. Jens Rabbels, Stuttgart

Die christliche Organisation „Mercy Ships“ organisiert seit 1978 Hilfsprojekte in Entwicklungsländern.

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Bild von Mercy Ships

Wenn die weiß-blaue „Africa Mercy“ in einen Hafen vor der westafrikanischen Küste einläuft, hat sie nicht nur wie ihr Name verspricht Gnade und Barmherzigkeit an Bord. Ein Team von Ärzten und Schwestern steht auf dem Schiff bereit, den Menschen vor Ort modernste medizinische Hilfe zu bringen.

„Die ‚Africa Mercy‘ ist das Hospitalschiff der christlichen Hilfsorganisation ‚Mercy Ships‘, die seit 1978 vor allem in Ländern entlang der Küste Westafrikas aktiv ist. Alle Länder, die wir anlaufen, gehören zu den ärmsten der Welt“, erklärt Udo Kronester, Geschäftsführer der Organisation in Deutschland. „Bei dem Schiff handelt es sich um eine ehemalige Eisenbahnfähre, die 1999 erworben und auf die Bedürfnisse eines Hospitalschiffes umgebaut wurde. In sechs Operationssälen und einer Krankenstation mit 78 Betten können jährlich bis zu 7.000 Operationen durchgeführt werden. Bislang wurden seit Bestehen der Organisation mehr als 81.000 Operationen und 377.000 zahnmedizinische Behandlungen durchgeführt.“

An Bord der „Africa Mercy“ arbeitet für jeweils neun Monate ein festes rund 400-köpfiges Team von ehrenamtlichen Ärzten und Schwestern. Unterstützt werden sie immer wieder von freiwilligen Medizinern aus aller Welt, die für mehrere Wochen auf dem Schiff Dienst tun. Einer von ihnen ist Dr. Jens Rabbels, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg aus Stuttgart, der 2015 zwei Mal für zwei Wochen in Toamasina, Madagaskar, mit dabei war.

„Die Ärzte an Bord kümmern sich vor allem um Operationen im Gesicht, also beispielsweise Korrekturen von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder die Entfernung von Tumoren“, so Dr. Rabbels. “Ich habe dort Tumoren in Größen gesehen, die wir uns hier kaum vorstellen können. Manche sind fußballgroß, entstellen den Menschen komplett und drücken ihm auf die Atemwege. Je nachdem, welche Spezialisten im Team sind, erfolgen auch orthopädische oder gynäkologische Eingriffe oder die Versorgung von Brüchen.“

Operationen geben Patienten ein Stück Leben zurück

Patienten mit riesigen Tumoren werden in Entwicklungsländern wie Madagaskar vielfach aus der Gemeinschaft ausgestoßen. „Freunde und Nachbarn haben oft Angst vor den Patienten, denken, sie seien verhext. Die Folge ist, dass die Kranken ausgegrenzt, versteckt oder sich selbst überlassen bleiben“, so Dr. Rabbels.

Was motiviert einen Oberarzt aus Deutschland, sich für einen freiwilligen Einsatz in einem Entwicklungsland zu melden? „Bei einem Einsatz auf der ‚Africa Mercy‘ geben wir den Menschen ein Stück ihres Lebens zurück“, so Dr. Rabbels. „Ohne das Hospitalschiff hätten sie keine Chance, diese Form der medizinischen Versorgung zu erhalten. Ich persönlich liebe meinen Beruf und praktiziere ihn gerne in Kontakt mit mir unbekannten Kulturen.“ Er erinnert sich noch genau an einen jungen Patienten, der durch einen extremen Tumor am Unterkiefer verunstaltet war: „Jeden Tag lachte er mich an bei der Visite. Den Tag der Operation konnte er wie viele andere Patienten kaum erwarten. Diese große Freude, das enorme Vertrauen und die riesige Dankbarkeit sind ein Geschenk für alle, die dort arbeiten. Wir wissen, dass wir den Menschen dabei helfen, wieder ein lebenswertes Leben zu führen, wieder akzeptiert und wieder arbeiten zu können.“

Perfekte Organisation

Von der gesamten Organisation der Hilfsprojekte ist Dr. Rabbels beeindruckt: „Mercy Ships schickt Teams in verschiedene Städte des jeweiligen Einsatzlandes und publiziert über Radio und Fernsehen seine Termine. Innerhalb von Tagen werden dann Tausende von Patienten gesehen und diejenigen ausgesucht, denen an Bord geholfen werden kann. Mercy Ships organisiert dann auch den Transfer zum Hafen, in dem das Hospitalschiff liegt, und versorgt die Patienten manchmal monatelang während der Behandlung.“

Finanziert wird das gesamte Projekt ausschließlich durch Spenden. Das Hauptquartier der Organisation in Garden Valley, Texas/USA, kooperiert dabei mit 16 Länderbüros. Seit Juni 2016 liegt die „Africa Mercy“ in Durban, Südafrika. Dort wird sie drei Monaten lang in einer Werft generalüberholt. Im Herbst heißt es dann wieder: Leinen los, auf zum nächsten Einsatzort Benin, Westafrika.

Interessierte Mediziner müssen Erfahrung mitbringen

Wer als Mediziner einmal dabei sein will, kann sich an das deutsche Länderbüro wenden. Viele Informationen über Projekte und die Arbeit der Organisation finden Interessierte auf der Website unter www.mercyships.de.

Einen Tipp hat Dr. Rabbels für Kolleginnen und Kollegen bereit: „Wer sich für einen Auslandseinsatz bewerben möchte, sollte schon ein paar Jahre Berufserfahrung mitbringen. Man sollte fit sein in der englischen Sprache und auch genug Flexibilität mitbringen, um schnell und gut mit einem internationalen Team zusammenzuarbeiten.“

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