Donnerstag, 30. September

Müll macht krank

Folgen der Wegwerfgesellschaft

Redaktion: ichbinarzt.de

"Jeder isst eine Kreditkarte pro Woche." Zugegeben, das ist eine provokante Schlagzeile der Hannoverschen Allgemeinen. Aber letztlich ist es so: unser Lebensstil produziert Unmengen an vermeidbarem Müll der in irgendeiner Form irgendwann wieder in unserer Nahrungskette auftaucht.

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Unser Müll macht andere krank | Foto Hermes Rivera - unsplash.com

Während der Corona-Pandemie ist alles noch einmal verschärft sichtbar geworden: unser Lebensstil produziert Unmengen an Müll. Und das immer mehr. Mit dem Wachstum von Amazon und Co. steigen parallel die Müllberge an Plastik und Verpackung.
Wenn Plastikmüll nicht sachgerecht entsorgt, recycelt oder gelagert wird entstehen Gefahren für Menschen, Tiere und Pflanzen. Da wir den Plastikmüll zu einem großen Teil exportieren, exportieren wir somit auch diese Gefahren. Vor allem in Asien leben die Leidtragenden.

Was sind die Ursachen und Folgen einer unkontrollierten Müllflut für die Gesundheit?

Verschmutzter Plastikmüll
Lebensmittelreste an Plastikmüll zum Beispiel bieten ideale Lebensbedingungen für Mücken, Fliegen und andere Schädlinge die Krankheiten übertragen können. Unser Müll trägt somit dazu bei, dass die Übertragung von Krankheitserregern wie Typhus, Malaria und Tuberkulose forciert wird.

Verschmutztes Grundwasser
Wird Plastikmüll nicht sachgerecht entsorgt, sickert mit der Zersetzung nach und nach Mikroplastik ins Grundwasser oder die abfliessenden Gewässer. Ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt: Mikroplastik wird von Tieren und Fischen gefressen und richtet in deren Organismus nachhaltige Schäden an. Damit kommt Mikroplastik in den natürlichen Kreislauf zurück und landet letztendlich wieder auf unserem Teller.

Verseuchte Äcker und Gärten
Plastikmüll endet nicht selten auf ehemals ertragreichen Ackerflächen. Mülldeponien fressen sich immer mehr in die Landschaft und zerstören dauerhaft die Lebensbedingungen für Menschen. Die fatale Situation in den betroffenen Regionen: die Bevölkerung wächst und die nutzbare Ackerfläche nimmt ab.

Müllsammler setzen sich direkten gesundheitlichen Gefahren aus
Die Mülldeponien vor allem in asiatischen und afrikanischen Ländern sind ein Tummelplatz für Müllsammler und Müllverwerter. Die bittere Armut zwingt Menschen dazu, die verwertbaren Reste auf Müllbergen zu finden und zu verkaufen. Sie setzen sich dabei ungeahnten Gefahren aus. Giftige Dämpfe und Bakterien verursachen schwere Erkrankungen an Augen, Atemwegen und auf der Haut. Viele Stoffe sind krebserregend mit gravierenden Langzeitwirkungen.

Es liegt also auf der Hand und ist offensichtlich. Die Wegwerfgesellschaften - und das sind vor allem die entwickelten Industrieregionen wie Europa, Amerika und China - konsumieren zu Lasten Dritter. Wir schädigen mit unserem Verhalten das Leben Anderer und kümmern uns wenig um die Konsequenzen.

Aber die Müllzirkulation wird nicht haltmachen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis Mikroplastik und damit der Müll in Mikroform wieder bei uns landet. Tiere und Pflanzen können Mikroplastik nicht verarbeiten und somit kommt unser exportierter Abfall am Ende in Mikroform in unsere Nahrungskette zurück.

Das hört sich ziemlich eklig an, ist aber so.

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Scott van Hoy | unsplash.com

Was können wir gegen die Müllberge bei Anderen tun?

Das ist eigentlich relativ einfach: keinen Müll exportieren und soweit wie möglich Müll vermeiden.
Das geht und ist im Endeffekt der billigste und gesündeste Weg.

Ein Beispiel: die größten Plastikmengen der Welt enstehen durch Coca Cola und Co.. Trinken wir also aus Glasflaschen wird Plastik vermieden und Glas ist auch besser recyclebar.

Es lohnt sich die R-Regeln einmal vor Augen zu halten.
Das sind einfach und leicht zu merkende Schlagworte und ein simpler Leitfaden, die jedem Einzelnen helfen können Müll zu vermeiden oder zu reduzieren.

Rethink - Reject - Reuse - Repair - Recycle

Rethink:
Einfach mal nachdenken, bevor man(n)/frau kauft. Braucht man das wirklich? Nichtkaufen ist der einfachste Weg um Müll zu vermeiden.

Reject:
Viele Lebensmittel und auch andere Konsumartikel werden doppelt und dreifach verpackt. Ein probates Mittel: einfach darauf bestehen, dass gekaufte Artikel anders oder gar nicht verpackt werden. Und schon gar nicht in Plastiktüten. Das hilft ungemein.

Reuse:
Auch ein guter Gedanke. Muss man eigentlich neu kaufen, oder kann man das Produkt nicht einfach weiter verwenden oder gebraucht kaufen? Es muss nicht immer das Neueste sein, auch ältere Produkte tun ihre Dienste.

Repair:
Reparieren lohnt sich aus Umweltsicht. Denn Reparieren ist das Gegenteil von Wegwerfen. Wegwerfen landet in Afrika oder Asien. Alles was wir reparieren und länger nutzen schont die Umwelt.

Recycle:
Mit der Mülltrennung ist es nicht getan. Denn auch getrennter Müll landet auf Müllkippen - nachweislich. Mülltrennung ist wichtig, keine Frage. Wichtig ist aber auch beim Verkäufer nachzuhaken, aus welchen Grundstoffen Produkte oder Verpackungen bestehen und ob diese recyclebar sind. Und im Zweifel kann man auf nicht recyclebare Verpackungen verzichten und auf bessere Alternativen zurückgreifen.

Ja, Müll macht krank.
Und unser Lebensstil ist daran mit schuld. Es ist nicht nur ein systemisches Versagen, sondern jeder Einzelne trägt mit Unachtsamkeit und Konsum ohne Selbstkontrolle zur Verschmutzung von Meeren und zur Entstehung von gigantischen Müllkippen in Afrika und Asien bei.
Bevor wir also nach Veränderungen im System rufen oder auf die Industrie verweisen sollten wir unser eigenes Tun überdenken und unser Konsumverhalten verändern oder anpassen.
Mit Rethink, Reject, Reuse, Repair oder Recycle verhindern wir nicht nur Müllberge, sondern schonen langfristig auch unsere eigene Gesundheit.

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