Donnerstag, 25. November

Nachwuchssorgen bei Allgemeinmediziner:innen

Hausärzte gesucht

Redaktion: ichbinarzt.de

Allgemeinmediziner haben die Fachweiterbildung für Allgemeinmedizin absolviert und sind vorwiegend als Hausarzt/Hausärztin tätig. Fast 40% aller Allgemeinmediziner:innen sind älter als 40 Jahre. Es gibt daher große Sorgen vor allem um die zukünftige medizinische Versorgung der Bevölkerung in ländlichen Regionen.

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Allgemeinmediziner sind für Patienten die erste Anlaufstation bei Erkrankungen und auch wichtig in der Versorgung chronisch kranker Patienten sowie der Prävention.

Allgemeinmediziner:innen sind hauptsächlich als Hausärzte/Hausärztinnen tätig und damit die erste Anlaufstation für Patienten bei Erkrankungen und Beschwerden. Neben der Grund- und Erstversorgung haben Hausärzte:innen eine ganz wesentliche Funktion bei der Versorgung von chronisch kranken Patienten und in der Prävention.
In der stationären Versorgung sind Allgemeinmediziner:innen vor allem in die Fachgebiete Innere Medizin, Geriatrie und Notfallzentren eingebunden. 
Aufgrund des umfassenden Versorgungsspektrums ist die Fachweiterbildung Allgemeinmedizin sehr breit angelegt und inhaltlich und organisatorisch eng mit der Fachweiterbildung Innere Medizin verbunden.

Fachweiterbildung Allgemeinmedizin
Grundvoraussetzung zur Fachweiterbildung ist die Approbation. Die Weiterbildungszeit beträgt im Regelfall 60 Monate, also 5 Jahre. Dauer und Inhalte der Fachweiterbildung unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. Die Unterschiede sind jedoch nicht signifikant. Zuständig für die Weiterbildungsverordnungen sind die jeweiligen Landesärztekammern.
Hier exemplarisch Auszüge aus der Weiterbildungsverordnung Allgemeinmedizin der Ärztekammer Nordrhein.

Weiterbildungszeit und Ablauf

Die Fachweiterbildung Allgemeinmedizin dauert insgesamt 60 Monate. Davon sind zu absolvieren:

  • 36 Monate in der stationären Basisversorgung im Fachgebiet Innere Medizin. Davon müssen 18 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung absolviert werden. 12 Monate können auch in der ambulanten Versorgung anerkannt werden.
  • Zudem ist eine 24-monatige Tätigkeit in der hausärztlichen Versorgung erforderlich. Hier sind maximal 6 Monate in der Chirurgie anrechenbar.
  • Weiter ist eine Kurs-Weiterbildung (Minimum 80 Stunden) in der Psychosomatischen Grundversorgung erforderlich.

Die wesentlichen Weiterbildungsinhalte:

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • den Inhalten der Basisweiterbildung aus dem Gebiet Innere Medizin
  • der Gesundheitsberatung, der Früherkennung von Gesundheitsstörungen einschließlich Gewalt- und Suchtprävention, der Prävention, der Einleitung und Durchführung rehabilitativer Maßnahmen sowie der Nachsorge
  • der Erkennung und Behandlung von nichtinfektiösen, infektiösen, toxischen und neoplastischen sowie von allergischen, immunologischen, metabolischen, ernährungsabhängigen und degenerativen Erkrankungen auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieser Erkrankungen im höheren Lebensalter
  • den Grundlagen der Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen im Alter einschließlich der Pharmakotherapie im Alter
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen einschließlich der Krisenintervention sowie der Grundzüge der Beratung und Führung Suchtkranker
  • Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen
  • ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen einschließlich diätetischer Behandlung sowie Beratung und Schulung
  • Durchführung und Dokumentation von Diabetikerbehandlungen
  • den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder einschließlich der Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen
  • den Grundlagen der Arzneimitteltherapie
  • der Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung
  • der Bewertung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, der Arbeitsfähigkeit, der Berufs- und Erwerbsfähigkeit sowie der Pflegebedürftigkeit
  • der intensivmedizinischen Basisvorsorgung

Allgemeinmediziner:innen und Hausärzt:innen in der Ärztestatistik

2019 zählte die Ärztestatistik in Deutschland rund 526.200 Ärzte und Ärztinnen:

  • 123.700 Ärzt:innen waren nicht ärztlich tätig oder im Ruhestand.
  • Ärztlich tätig waren insgesamt 402.500 Ärzt:innen, davon waren
    • 207.200 Ärzt:innen stationär und 159.900 Ärzt:innen ambulant tätig,
    • 35.500 Ärzt:innen waren berufstätig, aber nicht im ambulanten oder ärztlichen Dienst (z.B. in Behörden oder anderen Institutionen).
  • In der ambulanten und stationären Versorgung waren 40.164 Allgemeinmediziner:innen berufstätig. Das sind etwa 10% aller stationär und ambulant tätigen Ärzt:innen. Die Allgemeinmedizin ist damit eine der größten medizinischen Fachgebiete.
  • 4.052 Allgemeinmediziner:innen sind in Behörden und Instituten tätig oder befinden sich im Ruhestand.
Übersicht Allgemeinmediziner.jpg

Quelle Bundesärztekammer | Grafik Ilona Burgarth | Nutzungsbedingungen für Grafik

Die Allgemeinmedizin in der stationären Versorgung

In der stationären Versorgung sind Allgemeinmediziner:innen insbesondere in die Fachgebiete Innere Medizin, Geriatrie und Notfallzentren eingebunden.

  • Von 40.164 ambulant und stationär tätigen Allgemeinmediziner:innen waren in der stationären Versorgung 2.421 Allgemeinmediziner:innen berufstätig, davon sind 1.643 Frauen (Anteil ca. 67,9%).
    • 158 in leitender Funktion | Frauenanteil 42,4% (67)
    • in nicht leitender Funktion: 2.263 | Frauenanteil 69,6% (1.576)

Allgemeinmediziner:innen in der hausärztlichen Versorgung

Der Schwerpunkt der Allgemeinmedizin liegt in der ambulanten Tätigkeit als Hausarzt oder Hausärztin. Bezogen auf die Gesamtzahl aller stationär und ambulant tätigen Ärzt:innen (402.500) sind rund 9,4% Ärzt:innen in Hausarztpraxen tätig.

In Hausarztpraxen waren 2019 insgesamt 37.743 Allgemeinmediziner:innen beschäftigt:

  • davon etwa 80,5% als niedergelassener Hausarzt/Hausärztin mit einer eigenen Praxis (30.365) | der Frauenanteil beträgt hier 48,4%
  • davon 7.378 als angestellte Fachärzte/Fachärztinnen | Frauenanteil ca. 68,2%
Allgemeinmediziner nach Tätigkeit.jpg

Berufliche Perspektiven in der Allgemeinmedizin

Bei Hausärzten und Hausärztinnen, insbesondere im ländlichen Raum, ist die aktuelle Lage besonders angespannt. Fast 40% aller niedergelassenen Allgemeinmediziner:innen in Hausarztpraxen sind über 60 Jahre alt. Rund 18,6% sind sogar über 65 Jahre und haben große Probleme ihre Nachfolge zu organisieren.
Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass auf Jahre hinaus in der hausärztlichen Versorgung für ambitionierte und engagierte Allgemeinmediziner:innen sehr gute Berufs- und Marktchancen bestehen.

Hausarzt | Hausärztin | Hausärztliche Versorgung | Fachweiterbildung Allgemeinmedizin | Notfallmedizin | Prävention | Behandlung chronisch kranker Patienten

Ärztestatistik 2019: Bundesärztekammer

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