Dienstag, 8. Juni

Urban Gardening

Grüne Oase

von Yavi Bartula

Ihre Lieblingsfarbe ist Grün und Ihr Hobby sind die Pflanzen? Dann werden Sie jetzt aufblühen, denn es gibt eine Möglichkeit, wie Sie sich im städtischen Zuhause oder der Praxis eine frische Wohlfühloase errichten. Welche das ist, erklärt der Ideenfinder Samir Barden selbst.

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Markus Spiske | unsplash.com

Ob Sie Hobbykoch oder Designverfechter, Uhrenliebhaber oder Modenarr sind: Ärzte mit Hang zu den schönen Dingen des Lebens finden für nahezu alle Interessen das passende Zubehör. Doch wer sich fürs Gärtnern und Anpflanzen interessiert, wurde bisher auf den schier endlos langen Fluren der Baumärkte und Gartencenter allein gelassen. Dabei wollen Sie doch nicht nur im OP mit dem besten Besteck arbeiten. Damit nun auch endlich Hobbygärtner mit Designanspruch eine würdige Inspirationsplattform erhalten, gründeten zwei Karlsruher in Berlin das Urban Gardening Portal plantu.de. Wir sprachen mit Geschäftsführer Samir Barden und erfuhren, was sich hinter dem Phänomen Urban Gardening verbirgt.

ichbinarzt.de:plantu – Urban Gardening nennt sich Ihr Portal. In einem Satz: worum geht es?

Samir Barden: Das klassische Gärtnern spielt sich in den Köpfen vieler Menschen rund ums Haus oder auf einer gepachteten Parzelle eines Kleingartenvereins ab. Wir beleuchten das Thema aus der Sicht der vielen Menschen ohne eigenen Garten, bieten dazu das passende Zubehör und schon bald auch das nötige Wissen für ungeübte Gärtner.

ichbinarzt.de:Gegärtnert wurde ja im Prinzip schon immer. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Menschen in der Stadt dafür zu begeistern?

Samir Barden: Gegärtnert wurde auch schon immer in der Stadt. Die Menschen begrünen ihre Balkone, haben Tomaten auf der Dachterrasse oder Kräuter auf dem Fensterbrett. Beim Urban Gardening sprechen wir nicht von einem kurzlebigen Trend, sondern von der logischen Fortsetzung des modernen Zeitgeistes. Wir befassen uns immer genauer mit unserem Umfeld, unserer Natur und den Umständen in denen wir leben. Menschen in urbanen Räumen essen gut und gesund, fahren an freien Tagen raus in die Natur und freuen sich über jede grüne Oase der Abwechslung vom geliebten, aber manchmal zu hektischen Stadtleben.

Die grobe Idee zu plantu hatte ich vor knapp 4 Jahren, als ich mich ausgehend von der Koch-Bewegung mit dieser Entwicklung befasst habe. Als ich dann ab 2011 selbst einen Garten hatte, ist mir schlagartig klar geworden, was mir in den vergangenen Jahren in der Großstadt gefehlt hat.

Unsere ersten Recherchen haben uns dann eine Welt der Möglichkeiten eröffnet, die von keinem Gartencenter oder Baumarkt angeboten wird. Diese Welt möchten wir auf plantu abbilden und dem Thema Garten einen frischen und modernen Anstrich verpassen.

ichbinarzt.de:Wenn wir nach draußen schauen, ist es kalt und ungemütlich. Wieso sollten sich die Menschen gerade jetzt mit dem Thema Urban Gardening auseinandersetzen?

Samir Barden: Pflanzen in den eigenen vier Wänden ist der Winter meist ziemlich egal, sofern sie ausreichend Licht und Liebe abbekommen. Wer sich ein ganzjähriges Kräuterbeet in der Küche wünscht oder seinen Zimmerpflanzen einen neues Anstrich gönnen will, kann sich auch sehr gut im Winter mit dem Gärtnern befassen. In der kalten Jahreszeit steigert ein wenig Grün im Leben das Wohlbefinden. Begrünte Wände in Büros und Praxen verbessern nicht nur die Luft, sondern sorgen für ein positiveres Arbeitsklima. Solche bisher meist kostspieligen Wohlfühloasen sind nun auch ohne Abstriche in puncto Design und Qualität für jeden preisbewussten Haushalt zu haben.

Und übrigens sind wir in 2-3 Wochen schon mitten in der Anzuchtsaison. Wer seine Pflanzen dieses Jahr vom ersten Samen an heranziehen möchte, kann schon jetzt damit anfangen. Selbst gezogenes Obst und Gemüse macht nicht nur ein wenig stolz, sondern es schmeckt auch einfach besser.

ichbinarzt.de: Plastikschaufeln und 08/15-Töpfe sucht man im Sortiment von plantu vergebens. Woher beziehen Sie Ihre Produkte?

Samir Barden:Unser Sortiment ist zum Großteil weit gereist. Viele Produkte beziehen wir aus Großbritannien, der Heimat des feinen Gärtnerns. Außerdem sitzen unsere Hersteller in Frankreich, Portugal, Neuseeland, in den USA und der Schweiz. Wichtig ist jedoch nicht die Herkunft der Produkte, sonder deren Geschichte und die Wertigkeit.

Anfangs waren wir etwas irritiert als wir begannen, uns mit den schier endlosen Sortimenten bekannter deutscher Hersteller zu befassen. Viel Kunststoff, noch mehr Funktionen und Regler und auffallend grelles Design. Bei den drei Marktführern hatten wir schnell den Eindruck, dass die Wiedererkennbarkeit der Marke bei der Gestaltung des Geräts eine tragende Rolle spielt.

Jedenfalls sollte das Angebot in unserem Sortiment besonders sein. Auf Plastik und Buntes wollten wir so weit es geht verzichten. Wir sind der Auffassung, dass schönes und gutes Gerät einfach Freude bringt. Schließlich ist es doch schöner, wenn die Gartenarbeit Spaß macht, anstatt nur lästiges Übel zu sein.

ichbinarzt.de:Und wie wollen Sie das Gärtnern nun wieder salonfähig machen?

Samir Barden:Gärtnern war schon immer ein reizvolles Thema. Die überraschte und positive Resonanz auf plantu bestätigt uns darin, dass den Menschen die Bandbreite der Möglichkeiten bislang noch nicht wirklich bewusst ist. Wir möchten sowohl durch ein tolles Angebot, insbesondere aber auch durch Inhalte die Bewegung befeuern und für mehr Grün in den Städten sorgen. Unser Online-Magazin startet bald und ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

ichbinarzt.de:Zu Guter letzt: Ist Urban Gardening auch was für Ärzte?

Samir Barden:Ja, natürlich. Das Schöne am Gärtnern ist ja, dass man es niemandem groß erklären muss, sondern der Mehrwert offensichtlich ist. Pflanzen bereichern nicht nur das heimische Wohnzimmer, sie sorgen vor allem auch in Büros für reine Luft. Das Raumklima in Arztpraxen wird deutlich frischer und die Arbeitsatmosphäre merklich angenehmer durch ein paar grüne Pflanzen an den Wänden oder an der Decke. Schon mit wenigen grünen Handgriffen fühlt sich der Patient beim nächsten Besuch in der Praxis deutlich wohler. Durch individuelle Konzepte schweift dann die Konzentration auch gern mal ab von der Angst auf die Pflanzen und die Wartezeit wird angenehm verkürzt. Auch Arzt und Personal gehen dank begrünter Umgebung entspannter durch den oftmals stressigen Tag, der sich nicht selten ohne Pausen an der Frischen Luft abspielt.

Besonders Praxen profitieren von der Urban Gardening Bewegung, die sich die letzten Jahre bereits in Amerika und England etabliert hat. Dadurch wurden bereits Lösungen entwickelt, die dafür sorgen, dass wir beim Anpflanzen nicht mehr nur auf den Boden und Durchschnittstöpfe beschränkt sind. Wie bereits erwähnt, lassen die Hersteller weltweit keinen Wunsch mehr offen und aus schnöden Blumentöpfen werden beispielsweise schwebende Design-Klassiker. Und bei wem Platz gleich Mangelware ist, der bringt seine Pflanzen einfach mal an der Wand in ansehnlichen Pflanztaschen an. Wir sind beim Anpflanzen heute deutlich flexibler – ohne auf die Blumenampeln unserer Großmütter zurückgreifen zu müssen.

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